Zwei alte Wege über die Hochrhön

Neue Werkzeuge zur Erforschung der alten Wege


Der alte Weg über die Hochrhön beim Eisgrabenwasserfall

Der Verlauf der Altwege interessiert mich schon seit vielen Jahren. Doch meist nahm ich bei Wanderungen oder dem Mountainbiking die sich zufällig zeigenden Hohlwege zur Kenntnis, was meist zu einem weniger zufriedenstellenden Ergebnis führte, da diese alten Wege in keiner der mir zur Verfügung stehenden Karten eingezeichnet waren.
Doch nun steht den Altstraßenforschern in Bayern ein neues Instrument für ihre Arbeit  zur Verfügung: Die digitalisierte Karte 1: 25.000  der Bayerischen Urkasteraufnahme aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – für ganz Bayern. In Verbindung mit den digitalen  topografischen Karten 1:50.000 oder der 1: 10.000 l (Top 50, Top 10) lassen sich so die alten Straßen und Wege aus einer wichtigen Zeitspanne  auf den PC holen.

Das Copyright der beiden Kartenwerke - der Topografischen Karte und Historischen Karte - liegen beim Bayerischen Vermessungsamt München, www.geodaten.bayern.de (siehe auch unte "Links")

Zusammen mit einer anderen Errungenschaft – dem Global Positioning System (GPS) - eröffnen sich bisher ungeahnte Möglichkeiten für Altstraßenforscher im Gelände.
Am Beispiel der alten Wege zur Ruine der Hildenburg, die als einzige Burg im Bereich der Langen Rhön oberhalb von Hausen und Roth auf dem Schlossberg sitzt, dokumentiere ich in diesem Beitrag den Verlauf der Hohlwege und Wegerinnen am Schlossberg und lege den Verlauf einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen des Mittelalters aus dem östlichen Rhönvorland in den heutigen Landkreis Fulda fest. 
Näheres zur Systematik am Ende des Beitrages.

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Überquerung der Hochrhön auf alten Wegen

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An der Kreuzung des Rother Rhönweges mit dem Hausener Schlossweg

Der Weg von Hausen bis zur Höhe war außerordentlich schlimm. Ich ging zu Fuß, da ich den Wagen von allem, so viel wie möglich, zu erleichtern suchte, mit einem starken Stabe, meinem nachher gewöhnlichen   Rhönpferde, an dem ein großes spitziges Eisen befestigt war, und der mir nachher sehr gute Dienste tat, indem er mich gegen das Abgleiten und Rückwärtsfallen schützte, einige fünfzig Schritte vor dem Wagen her.
(F-A. Jäger: Briefe über die Hohe Rhön; Langbein und Krüger, Arnstadt und Rudolstadt 1803)

 


Ende des 18. Jahrhunderts durchstreifte F. A. Jäger, der Seelsorger in einer Rhöner Gemeinde war, die Hohe Rhön. Seine Schilderung der Reise von Hausen nach Frankenheim, die er in einem Winter unternahm, wurde zu einer Schauergeschichte, die von anderen Rhönautoren im 19. Jahrhundert oft  als eigenes Erlebnis übernommen wurde und die sicher nicht wenig dazu beigetragen hat, dass die Rhön bis heute den Ruf einer unwirtlichen und rauhen Gegend besitzt. Welchen Weg Jäger von Hausen zur Hochrhön hinauf nahm, wissen wir nicht. Ebenso, warum er von Hausen und nicht von Fladungen aus los zog. Die Schilderung des Wegezustandes dürfte jedoch auf alle damals zur Hochrhön hinauf führenden Verkehrswege zutreffen. Doch der einzige eigentlich infrage kommende Weg führt von Hausen zur Wüstung Korbes, vorbei an der alten Hildenburg zur Fläche der Hochrhön, wo er sich in fast allen Himmelsrichtungen verzweigt.

Das Gebiet der Hohen Rhön war als Wirtschaftsraum relativ bedeutungslos. Handelswege liefen nördlich, östlich und südlich an der Rhön vorbei. So hatten die die Rhön überquerenden Straßen lediglich regionale und örtliche Bedeutung gehabt, wenngleich in „Quads Itinerarium“  ein die Hochrhön zwischen Hilders und Fladungen querender Reiseweg genannt wird.
Die Hildenburg lag an einem günstigen Übergang zwischen dem Streutal in der der östlichen Rhön und dem Ulstertal im Westen, von dem aus alte Straßen zum Kloster Fulda führten. So ist zu vermuten, dass dieser Übergang im 8. Jahrhundert strategisch bedeutsam war, weswegen man  dort die befestigte Anlage errichtete. Auch hatten die Bewohner solcher Burgen an den damaligen Haupt-Verkehrsverbindungen im Mittelalter die Aufgabe, den Reisenden den richtigen Weg zu weisen bzw. sie bis zur nächsten Geleitsstelle zu begleiten. Die Hildenburg ist neben dem Burgstall am Gangolfsberg und dem am Stellberg bei Melpers die einzige Burg auf der Langen Rhön. Die Osterburg bei Bischofsheim sitzt auf einem dem Kreuzberg-Massiv zugehörigen Berg, die Burg Rabenstein, über die nur sehr wenig bekannt ist, liegt auf dem Dammersfeld.
Die Burg dürfte der wegen der permanenten Streitigkeiten zwischen Fulda, Würzburg und den Hennebergern sicherlich in diesen Zeiten ihre Bedeutung gehabt haben. Als Verkehrsweg dürfte die Verbindung von Fulda über Petersberg (Rinneweg) – Dipperz  – Nähe Milseburg/Bubenbader – Brandbachtal – Seiferts - Hildenburg - Stetten – Brend (Neustadt) von Bedeutung gewesen sein, was auch aus der Lage der beiden Burgen Brand und Tannenfels im heutigen LK Fulda am oder in der Nähe des Verkehrsweges ersichtlich wird. Nach Süden bzw. Südosten über Brend und Salz (Neustadt) konnte über diesen Rhönübergang der Bamberger und Würzburger Raum ebenso erreicht werden wie über Mellrichstadt der mittlerer Thüringer Wald.
Politische Veränderungen blieben auch auf die Bedeutung einzelner Übergänge über die Rhön sicher nicht ohne Einfluss. Der einst wichtige Rhönübergang bei der Hildenburg wurde bedeutungslos, wurde in seiner Bedeutung wahrscheinlich vom Übergang Gersfeld – Himmeldunke - Bischofsheim abgelöst, der bereits im 15. Jahrhundert anlässlich eines Geleitsstreites zwischen Fulda und Würzburg erwähnt wird. Dieser Vorgang dürfte in die Zeit fallen, in der der würzburgische Amtssitz von der Hildenburg nach Fladungen verlegt wurde.