Fahrradtourismus an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert


Quintlupet Anno 1896 Foto:www.cycling4fans.de

Mit der Einführung des Niederrades um 1890 begann der Siegeszug des Fahrrades erst so richtig. Luftgefüllte Reifen, der niedrige Schwerpunkt und die verbesserte Kraftübertragung vom vorderen Zahnkranz mit einer Kette zum hinteren Zahnkranz erlaubten es, auch größere Entfernung auf Landstraßen und Chausseen zurückzulegen und dabei sogar mittlere Steigungen zu bewältigen. Das Niederrad besaß schon damals den auch heute noch üblichen Fünfeck- oder Trapezrahmen, der aus zwei Dreiecken bestand, die für Stabilität und Stoßfestigkeit sorgten.
Ab da verläuft die Weiterentwicklung nahezu stürmisch:
* 1893 erhält Ernst Sachs für die erste Fahrradnabe das Kaiserliche Patent.
* 1902 lässt sich die Firma Wanderer aus Chemnitz die erste Zweigangnabenschaltung patentieren.
* 1903 bringt Ernst Sachs nach acht Jahren Konstruktionsarbeit die "Torpedo"-Freilaufnabe mit Rücktritt auf den Markt.

Offenbar boomte um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auch bereits der Fahrradtourismus. Schon 1905 findet sich in Griebens Reiseführer Band 82 „Kleiner Führer durch den Thüringer Wald“ unter der Rubrik „Praktische Winke für die Reise“  eine Rubrik mit dem Titel „Radfahrtouren“:

Radfahrtouren sind im Thüringerwalde wegen der zahlreichen, das Gebirge kreuzenden Chausseen und des dichten Fahrstraßennetzes in den Vorbergen in großer Fülle zu kombinieren. Es ist indessen wegen des oft plötzlichen Niveauwechsels stets größte Vorsicht erforderlich! Die Radfahrstrecken sind bei den Hauptorten unter „Entfernungen“ angegeben. Dabei bedeutet (Ch.) Chaussee oder chaussierter Weg. 

Reisef

Seite aus Griebels Reiseführer Thüringen 1905/06 mit den Entfernungsangaben für Radler ab Ilmenau