Einblick in die Straßenverhältnisse rund um das Neustädter Becken am Ende des 16. durch die Salzforstkarte

Vortrag im Januar 2004 beim Sälzer Geschichtsverein Salz bei Bad Neustadt

Ergänzt und überarbeitet 2006

Vorbemerkungen
Die Altstraßenforschung ist ein Zweig der Heimatforschung, der sich nur selten auf urkundliche Belege stützen kann. Insbesondere wenn es um Verkehrswege aus der Vor- und Frühzeit geht, kann man oft nur Hypothesen erstellen oder vergleichbare Verkehrswege in anderen Gegenden heranziehen.  Doch haben sich durch vergleichende Beobachtungen aus unterschiedlichen Gebieten im Laufe der Zeit Grundsätze entwickelt, die bei der Altstraßenforschung durch aus anzuwenden sind. Zu ihnen gehören z. B. Gräber und Siedlungen aus der Vorzeit, strategische Befestigungen im Frühmittelalter und im von den Römern eroberten bzw. besetzten Gebiet deren Straßen. Insbesondere aber die Stellen, wo die Kastelle der Römer die alten vorrömischen Straßen kontrollierten. Einer der wichtigsten Grundsätze ist, dass vor- und frühzeitliche Straßen als Hochstraßen oder Höhenwege verliefen.
Dazu die hessische Altstraßenforscherin  Gudrun Loewe :
.... durch alle Zeiten werden stets dieselben von der Natur vorgezeichneten Höhenwege entlang den Wasserscheiden benutzt, sei es vom fahrenden Händler mit Saumtier und Ochsenkarren, sei es von beuteheischenden Heerhaufen oder landsuchenden Bauern mit ihrer beweglichen Habe. Auch der Viehtrieb der einheimischen Weidebauern bevorzugt die bekannten, auf den Höhenrücken gar nicht zu verfehlenden, übersichtlichen Straßen. Als markante und allgemein bekannte Linien im Gelände werden Straßen schon früh vielfach zu Besitzgrenzen; noch heute fallen sie weithin mit Flur- oder Gemarkungsgrenzen zusammen. 
Man geht im Übrigen davon aus, dass die frühen Hochstraße über den Bau der Chausseen im 18. Jhd. hinaus bis zum Kunststraßenbau im 19. Jhd. weiter genutzt worden sind. Helmut Jäger   schrieb:
„detaillierte Trassenangaben zur Fixierung der alten Völkerstraßen  sind in den ernstzunehmenden neueren Arbeiten in der Regel unterlassen worden, weil so gut wie keine vorfränkischen Quellen existieren und weil die bisherigen Bodenfunde nicht ausreichen, daran ganze Straßenzüge aufzuhängen. Trotzdem ist anzunehmen, dass die alten Trassen und Verbindungswege in der Regel weitertradiert werden, weil bis in die frühmittelalterliche Zeit in erster Linie die natürlichen Gegebenheiten des Terrains den Streckenverlauf bestimmen. Hierbei ist freilich nicht auszuschließen, dass sich mit den Verkehrszielen auch die Verkehrsfunktion einzelner Routen verschob.
Diese Grundsätze habe ich, gemeinsam mit einigen spärlichen historischen Belegen und natürlich der Salzforstkarte für den nachstehenden Aufsatz angewandt. Hierbei konnte ich mich zu großen Teilen auf die Forschungen von H.P. Schäfer stützen, der in Unterfranken eine wahre Grundsatzarbeit geleistet hat.
Ich selbst habe nach der vergleichenden Auswertung der Sekundärquellen und dem Vergleichen der unterschiedlichen Karten miteinander und mit den heutigen Topografischen Karten manchen Tag im Gelände verbracht. Zur Orientierung dort, wo es abseits der vorhandene Weg ins Gelände ging un dzur Dokumentation dieser Steckenabschnitte habe ich auch mit dem GPS-Gerät gearbeitet.
Mein Aufsatz erhebt nicht den Anspruch, ein wissenschaftlicher Beitrag zu sein. Über Ergänzungen und ggf. auch Korrekturen freue ich mich.

Allgemeines

Die Bedeutung der alten Straßen bei sich verändernden politischen Verhältnissen


Die urkundlichen Belege über den Verlauf alter Straßen sind vergleichsweise spärlich.  Meist sind nur die wichtigen Handelswege dokumentiert, auf denen z. B. das Handelsgeleit abgewickelt wurde. Doch auch manche Reisen der damalige VIP`s sind in Itinerarien festgehalten, sodass man auch deren Reiserouten nachvollziehen kann.
Altstraßenbeispiele nicht nur in der Rhön zeigen auf, dass es neben den in den Geleits- und Zollakten überlieferten wichtigen Hauptstraßen auch noch andere gab. Bei diesen kaum dokumentierten Straßen handelte es sich auch um die alten vorfränkischen Hochstraßen, auf denen selbst in Zeiten des fast 600 Jahre andauernden Straßenzwanges in Kriegszeiten Heere und in anderen Zeiten z. B. Boten und Pilger unterwegs waren.    Des Weiteren machte sich im Mittelalter in der Rhön, auch im Hinblick auf die Bedeutung der Straßen, die veränderte politische Landschaft besonders bemerkbar. Siehe hierzu auch  
Im Fränkischen Rhönvorland gab es bei Salz und dem heutigen Mellrichstadt zwei bedeutende Straßenknotenpunkte. Dort kreuzten Altstraßenzüge, die von Westen her über den Vogelsberg durch die Rhön her zogen. Von Norden liefen Straßen über mehrere Pässe des Thüringer Waldes in das Gebiet. Mit den östlich der Haßberge gelegenen Gebieten war es insbesondere über den Haßberge-Rennweg und über die Baunachtalstraße verbunden. Von Mainfranken her verlief die Altstraße von Würzburg und Schweinfurt in etwa so wie die heutige B 19.
Für die Franken waren sowohl Salz als sicher auch der Siedlungsvorläufer der Stadt Mellrichstadt strategisch wichtige Orte auf dem Weg über Rohr durch den Thüringer Wald nach Erfurt. Die Bedeutung der Pfalz Salz muss nicht mehr angesprochen werden. Doch die des Straßenknotenpunktes bei Mellrichstadt ermisst sich unter anderem auch durch die Schlacht beim sogenannten Blutgraben (Strowa) Hier, an der Kreuzung zwischen einer Nord-Süd-Nord ausgerichteten Heerstraße oberhalb des Streutals und dem alten West-Ost-führenden Weg durch die Rhön    in das Grabfeld bzw. zum Thüringer Wald den fand im Jahre 1078 eine Schlacht zwischen dem Heer Heinrich IV. und seinem Gegenspieler Rudolf von Schwaben statt. Der Platz ist deshalb von besonderer strategischer Bedeutung, weil sich hier nach Norden die über den Thüringer Wald führende Route in mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Routen auffächerte. Zwei Übergänge über die Streu sind durch Ausgrabungen der Archäologischen Arbeitsgruppe Rhön-Grabfeld dokumentiert. Beide liegen an uralten Routen aus der Rhön in den Thüringer Wald bzw. den Bamberger Raum. Die Funde dort reichen zurück bis in die Jungsteinzeit.
Zu erwähnen ist auch der sogenannte „Rompilgerweg“, der bei Meiningen von der bedeutenden „Werratalstraße“ abzweigte. In zwei Reisebescheibungen, der des Abtes Albert von Stade und des „Isländischen Hauksbok“ wird Bad Neustadt als Etappenort aufgeführt. Mellrichstadt nur in der des  Isländers. Die Pilgerreise nach Rom hatte allerdings zur damaligen Zeit bei Weitem nicht die Bedeutung wie die Jakobswallfahrt nach Santiago de Compostella.  
Im Mittelalter verloren mit den politischen Veränderungen im Reich die Ost-West-Ost gerichteten Straßen durch die Rhön, den Vogelsberg und die Haßberge ihre überregionale Bedeutung.
Doch auch die Bedeutung der Nord-Süd führenden Straßen in diesem Gebiet änderte sich zugunsten der „Haupt“-Straßen vom heutigen Rhein-Main-Gebiet nach Mitteldeutschland. „Nutznießer“ waren als Handelsstraßen insbesondere die „Straße durch die Kurzen Hessen“, die „Straße durch die Langen Hessen“ und die „Frankfurt-Leipziger Straße“, auch „Des Reiches Straße“ genannt. Letztere führte durch das Kinzigtal über Fulda und Vacha nach Eisenach und galt wegen der oft katastrophalen Straßenverhältnisse und der vielen Hochwasser der Kinzig als unsicher. Sie war eher eine Heerstraße und in der Zeit des Postkutschenverkehrs wurde auf ihr der bedeutende Postverkehr zwischen Mitteldeutschland und dem Rhein-Main-Gebiet abgewickelt.
Einige Bedeutung hatte auch die Straße von Fulda über Hammelburg nach Würzburg, die als Geleitstraße in den Verzeichnissen aufgeführt ist.
Nördlich der Rhön galt die Verbindung von Eisenach/Meiningen nach Bamberg /Nürnberg durch das Werratal und das Baunachtal als Hauptverbindung.  Von ihr zweigte die Straße Mellrichstadt - Neustadt – Münnerstadt – Schweinfurt/Würzburg ab, der etwa die gleiche Bedeutung zukam wie der Verbindung Fulda – Hammelburg- Würzburg.
Die Verkehrswege über den Thüringer Wald mündeten in die Werratalstraße ein, von wo wiederum Straßen abzweigten die in und durch die Rhön führten.