Alte Verkehrswege im Gebiet der Rhön und zwischen Main und Werra

Vortrag beim Altstraßensymposium über Historische Verkehrswege in Unterfranken im Mitttelalter am 25.10. 2008 im Würzburger Diözesanarchiv

Auf Initiative der Universität Würzburg - Lehrstuhl für Fränkische Landeskunde und des Archäologischen Spessart-Projektes  sowie mit Unterstützung des Frankenbundes und der Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte fand am 25. 10. 2008 die o.a. Tagung statt.

Das Thema hieß: Augen zu und durch" und wies damit auf die bis zur Mitte des 19.Jahrhunderts katastrophalen Straßenverhältnisse im Deutschen Reich hin.

Die Referenten und ihre Themen: 

  • Dr Peter Moser "Überregionaler Landtransport in Unterfranken im 16.Jahrhundert"
  • Jochen Heinke: "Alte Verkehrswege im Gebiet der Rhön zwischen Main und Werra"
  • Geritt Himmelsbach "Verkehrsswege im Spessart"
  • Martin Held "Verkehrswege auf der Frankenhöhe"
  • Bernd Schätzlein "Verkehrswege auf der Fränkischen Platte"

Die Beiträge erscheinen in gedruckter Form in der Zeitschrift "Frankenland" des Frankenbundes 1/2009 und 2/2009.

Alte Verkehrswege im Gebiet der Rhön und zwischen Main und Werra

Die Ausrichtung der vorzeitlichen Hauptverkehrswege im Bereich der Rhön

von Jochen Heinke

Aus der Vor- und Frühzeit gibt es so gut wie keine, aus dem frühen Mittelalter nur spärliche Informationen über die damals genutzten Verkehrswege. Mit dem zunehmenden Handel im Hochmittelalter verbessert sich die Quellenlage, denn nun steht die Nutzung der Straßen im Zusammenhang mit fiskalischen Abgaben: Neben den Zollabgaben wird wegen der häufigen Überfälle auf Händler das Geleit  eingeführt, das von den Beauftragten des Kaisers auf ausgewählten Straßen gegen Geld gewährt wird. Für bestimmte Waren, meist sind es die Messewaren, wird die Nutzung der Geleitstraßen vorgeschrieben und damit sich jeder daran halten kann, wird deren Verlauf anhand einer Auflistung der Orte, durch die sie führen, auch beschrieben.

Bei den Pilgerfahrten nach Rom, Jerusalem und Santiago de Compostella werden in sogenannten Itineraren auch die Orte an den Routen beschrieben, durch die die Pilger zogen. 

Natürlich gibt es wie überall keine urkundliche Belege über die Verkehrswege, die von den Kelten benutzt wurden. Wenn man von einem Grabungsquerschnitt zu DDR-Zeiten in einem Hohlweg bei der Steinsburg (Thüringen) absieht, sind mir ansonsten keinerlei Altstraßenbefunde aus keltischer Zeit in unserem Gebiet bekannt. Aus einzelnen prähistorischen Fundstellen Funden auf keltische Straßen zu schließen, ist sicherlich nicht zielführend. Doch geben die Siedlungsschwerpunkte und deren Ausgrabungsfunde ein wenig Aufschluss darüber, wie die Verbindungen großräumig verlaufen sein könnten. Die Bereiche im Streutal von Ostheim und Mellrichstadt bis zu dem heutigen Bad Neustadt, das Grabfeld und sogar das Gebiet bis zur Hohen Rhön waren in keltischer Zeit dicht besiedelt. Es war ein Bereich, in dem sich Verkehrswege von West nach Ost und von Nord nach Süd kreuzten. Von Westen aus dem Marburger Land und der Wetterau zum Thüringer Wald und zum Raum bei Hallstadt am Main, von Norden über den Thüringer Wald hinunter zum Main. Ganz interessant ist es, die Fundstellen beim Bau der Autobahn A 71 mit dieser Vermutung abzugleichen: Auf beiden Seiten des Thüringer Waldes, im Erfurter Becken bis zu den Höhen des Thüringer Waldes, sowie von der Werra bis in den Raum Bad Neustadt wurden Vorzeitfunde aus vielen Siedlungsperioden gemacht. (Abb. 1 Prähistorische und mittelalterliche Fundstellen an der Baustelle der A 71) Doch südlich von der Saalebrücke bei Hollstadt gibt es keine dokumentierten Funde auf der Autobahntrasse mehr. Dort beginnt der Bildhäuser Forst, der jenseits von Münnerstadt in die Ausläufer des Hesselberger Waldes übergeht. Anzunehmen ist daher, dass die vorzeitlichen Verkehrswege sich anders als die heutige Autobahn auf dem Höhenrücken zwischen Wern und Fränkischer Saale bis in die Gegend von Werneck fortgesetzt und sich danach auf dem rechten Hochufer des Main entlang an ihm bis hinunter zum südlichen Knie des Maindreiecks orientiert haben. Dort finden sich bei Segnitz ein Gräberfeld aus der Hallstattzeit und am gegenüberliegenden Ufer bei Marktbreit das Zweilegionenlager der Römer. Aus der Limesforschung wissen wir, dass die Kastelle der Römer meist dort standen, wo die uralten Verkehrswege in das römische Gebiet eintraten und zu römischen Straßen wurden. Jenseits des Main setzen sich die vorzeitlichen Fundstellen und Befestigungen über das Taubertal fort.