„Viele Wege führen nach Rom“

Reisen nach Rom

Wenn im Freundeskreis die Diskussion aufkommt, welches der richtige oder kürzeste Weg zu einem Urlaubsziel ist, wird häufig das Sprichwort „Viele Wege führen nach Rom“ gebraucht. Im Grunde bedeutet es, dass man auf vielen unterschiedlichen Wegen zu seinem Ziel gelangen kann, auch wenn man dabei Umwege in Kauf nimmt. Aber vielleicht auch, dass jeder seinen eigenen Romweg hat, denn der beginnt eigentlich an der eigenen Haustür. Doch er trifft früher oder später mit anderen „persönlichen“ Romwegen zusammen und so entsteht ein Weg, der wie ein Trichter  immer neue Wege aufnimmt und sie an seinem Ende auf nur einen einzigen Weg konzentriert in Rom wieder entlässt.

Die Rompilgerwege aus den unterschiedlichen Regionen treffen sich also spätestens in Rom, viele  jedoch auch schon nördlich der Alpen, wo die Alpenpässe die Wege bündelten.

Doch das Sprichwort weist auch auf die große Bedeutung der Stadt Rom als "Europäische Hauptstadt" auch zur Römerzeit hin. Nach dem Untergang des Römischen Reiches entwickelte sich Rom zu einem der drei kirchlichen Machtzentren und spielte bei der Missionierung Austrasiens, des Ostfränkischen Reiches, die zentrale Rolle. Denn alle, die im Ostfränkischen Reich missionieren wollten, benötigten dazu die Erlaubnis der Papstes, die sie nur in Rom bekommen konnten.

Im frühen Mittelalter reisten insbesondere Bischöfe und Äbte nach Rom, um wichtige Angelegenheiten ihrer Diözesen oder Klöster persönlich zu regeln. Diese Reisen erfolgten meist zu Pferde und nur ganz selten mittels Wagen. 

  • Aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts stammt das Itinerarium Sancti Willibaldi , in dem der kirchliche Würdenträger aus Angelsachsen seine Reise auf der Via Francigena nach Rom beschreibt.
  • Aus dem Jahre 990 ist der Bericht der Rückreise von Rom des Sigerico, Erzbischof von Canterbury überliefert. Sigericos Reiseweg verlief mit insgesamt 80 Etappen auf der uralten Via Francigena  über den Alpenpass Großer Sankt Bernhard
  • Zu den frühesten Reiseberichten gehört auch das Intinerar des Abtes Nikulas von Munkabvera über seine Pilgerfahrt von Nordisland nach Jerusalem, die er in den Jahren 1151-1154  unternahm. Seine Reiseroute verlief von Island nach Norwegen - Aalborg - Schleswig - Paderborn - Köln - Mainz - von da mit dem Schiff nach Basel - Großer St. Bernhard - Mailand - Lucca - Siena - Rom - Brindisi - zu Schiff über Zypern nach Akkon und von dort nach Jerusalem. Die Rückreise berührte die gleichen Orte.
  • Aus dem 13. Jhd. die des Abtes Albert von Stade
  • Erzbischof Odo von Rouen führte Reisetagebücher, die über seine Fahrten innerhalb seiner Diözese, aber nach Rom, Südfrankreich und England Aufschluß geben. Für eine Pilgerfahrt nach Rom, die er am 30. Dezember 1253 antrat, benötigte er 72 Tage. Die Reise ging von Rouen über Paris, Dijon, Lausanne, Brieg, Mailand, Bologna, Rimini und Perugia in die Heilige Stadt. Nach Abzug der 15 Ruhetage, die er einlegte, ergibt das für die etwa 1685 Kilometer lange Strecke mit Überquerung der Alpen während des Winters einen Tagesdurchschnitt von 23,4 Kilometer. Die Rückreise im Sommer 1254 dauerte dann bei 5 Ruhetagen nur 58 Tage, da hierbei der Erzbischof die kürzere Strecke über Siena - Lucca (Via Francigena) - Turin - Mont Cenis -Lyon - Paris - Rouen wählte. Jetzt betrug der Tagesdurchschnitt 29,3 Kilometer.
  • Aus dem 14. Jahrhundert stammt die Beschreibung des Isländers Haukr Erlendsson.

Auch reisten schon  seit der frühesten Frankenzeit  Könige nach Rom,  wo einige von ihnen vom Papst zum Kaiser gekrönt wurden. Oder sie zogen nach Italien um dort Krieg zu führen - häufig sogar gegen Päpste.

Einmal, im Jahre 753, reiste auch ein Papst von Rom über die Alpen: Papst Stefan II reiste im Winter nach Metz, um von den Karolingern (König Pippin) die Unterstützung gegen die Langobarden zu erbitten. Er wurde begeitet von Abt Fulrad von St. Denis und dem Würzburger Bischof  Burchhard, der auf der Reise verstarb.