Einige alte Straßen heute

Vogelsberg, Spessart, Rhön

Der Verlauf alter Straße durch die Mittelgebirge

Die uralten Straßen nutzten in den Mittelgebirgen die durch die Morphologie vorgegebenen „günstigen Wege“. Sie stiegen meist in direkter Linie auf die Höhen hinauf und zogen über die Gebirgskämme. Auf den höchsten Erhebungen waren dadurch – oft weitab der Siedlungen - wichtige Straßenkreuzungen entstanden. Insbesondere Spessart, Rhön und Vogelsberg verteilten den frühen Handelsverkehr wie riesige Drehscheiben nach allen Himmelsrichtungen.

Der Spessart

als Gebirgsblock vom Main an drei Seiten umflossen, galt schon im Mittelalter als eines der waldreichsten, aber schwach besiedelten Gebiete. Trotzdem führten die für damalige Verkehrsverhältnisse günstigsten Verbindungen über ihn hinweg und nicht am Main entlang. Nur der Messeverkehr wurde über mehrere Jahrhunderte hindurch auf der Geleitstraße am Main abgewickelt.

Aufgrund seiner Unzugänglichkeit war seine Durchquerung bis in die Neuzeit ein Abenteuer. Zusätzliche Fuhrleute mußten angeheuert werden, Lotsen, die in dem dünnbesiedelten Gebiet den richtigen Weg kannten. An den Steigungsstrecken mußte man Vorspanndienste in Anspruch nehmen. Viele Spessartbewohner fanden dadurch ihr Auskommen: sie verdingten sich als Fuhrleute oder als Wegekundige. Die Fuhrleute aus dem Spessart waren bekannt und berühmt. In dem kleinen Ort Frammersbach gab es im Jahre 1537 25 Männer, die als Fuhrleute in ganz Europa unterwegs waren. Aber auch eine andere Spezies fand durch den Reise- und Handelsverkehr sein Auskommen: Der Spessarträuber. Denn der Spessart war, aufgrund seiner dünnen Besiedelung und weil die Handelsstraßen weitab der meisten Dörfer auf den Höhenzügen durch den dichten Wald führten, für seine Räuber sprichwörtlich.

Der Vogelsberg

Der Vogelsberg ist eine vielgestaltige reizvolle Landschaft mitten in Hessen, ein erloschener Vulkan, der mit einer Fläche von rund 2500 Quadratkilometer das größte zusammenhängende Vulkangebiet des europäischen Festlandes darstellt. In der Tertiärzeit vor 18 - 20 Mio. Jahren, kam es zu den vulkanischen Ausbrüchen, die nicht einem zentralen Krater entsprangen, sondern an zahlreichen Stellen zum Vorschein kamen. So wie in vielen anderen Gebirgen auch, ist die heutige Gestalt des Vogelsberges ein Werk der Verwitterung und Erosion. 
Das Gebirge gehört zu den wasserreichsten Gebieten in Hessen. Im zentralen Oberwaldgebiet, auf mehr als 600 m Höhe, finden sich die höchsten Quellgebiete. Von hier aus fließen die Bäche sternförmig nach allen Seiten ab und gliedern das Gebirge in langgestreckte Bergrücken, auf denen in alten Zeiten wichtige Handelsstraßen verliefen.
Lange bevor im Vogelsberg die Besiedelung durch Urkunden nachzuzweisen ist, war er bereits Durchgangsland, führten wichtige Straßen auf seinen Bergrücken entlang. Im Mittelalter wurde er zu einer Drehscheibe des Handelsverkehrs: Aus allen Himmelsrichtungen zogen Straßen auf den Höhenrücken zwischen den nach allen Himmelsrichtungen ablaufenden Flüsse und Bächen auf seine höchsten Höhen hinauf. Im  hohen Vogelsberg, in der Gegend von Ilbeshausen und Grebenhain sowie unterhalb des Taufsteins, lagen wichtige Straßenkreuzungen.

Die Rhön

Die Rhön ist ähnlich wie der Thüringer Wald ein schmales Kammgbirge,dem insbesondere im Westen und Osten kleinere Berge vorgelagert sind. Anders als Vogelsberg und Spessart hatten die alten Verkehrsverbindungen durch die Rhön nur eine geringe Bedeutung für den Fernhandel. Denn bedingt durch die Nord-Süd-Ausrichtung verliefen die wichtigen Handelsstraßen östlich, westlich und südlich an der Hohen Rhön vorbei. Trotzdem gab es Verbindungen aus dem Rhein-Main-Gebiet durch den Spessart und über die Rhön zu den alten Übergängen über den Thüringer Wald. Sie sind allerdings kaum dokumentiert.