Pilgerwege der Skandinavier nach Rom

Hauksbók-Route und Route Abt Alberts von Stade

Der dritte östliche Hauptweg ist die im Hauksbòk genannte Route ab Lübeck, von der Springer annimmt, dass sie weitaus älter ist als der Zeitpunkt der Veröffentlichung um 1330.

Zur Stader Route des Abtes Albert schreibt Springer:

"Was diesen Ostweg, wie er im isländischen Hauksbók-Manuskript beschrieben ist, besonders interessant macht, ist die Tatsache, dass es eine sehr nahe Variante mit dieser Reiseroute in den Annalen des Albert von Stade gibt, die als "die beste aller Itinerare" im Mittelalter bezeichnet wird. Es gibt allerdings keine weitere Spur einer schriftlichen Quelle für die Reiseroute von Albert. Deshalb nehmen Lappenberg und andere an, dass hier der Abt die Reiseroute seines eigenen Besuchs in Rom aufschrieb. Wie Albert selbst in seiner Chronik für das Jahr 1240 hinweist, ging er 1236 nach Rom, um die offizielle Sanktion des Papstes für seinen Plan zu erhalten, das Kloster zu reformieren, was er später angesichts der offenen Revolte seiner Klosterbrüder nicht verwirklichen konnte."

Für Springer waren die beiden Routen Varianten einer Route, wobei er der Auffassung war, dass die Stader Route Abt Alberts die Variante der Hauksbók-Route war. Vieles spricht dafür: Unter anderem, dass Abt Albert die Beschreibung seines Romweges nicht, wie anzunehmen wäre, in seinen Annalen in den 1220er Jahren einordnete, sondern schon rund 100 Jahre früher um das Jahr 1155, was ebenfalls zu den Rätsen gehört, die uns Albert hinterlasssen hat. .

Springer beschäftigte sich in seinem Aufsatz sowohl mit der Hauksbók-Route als auch mit der Rückreiseroute  des Abtes Albert von Stade von Rom, um aus den in beiden Itineraren genannten Ortsangaben die Reiserouten genauer bestimmen zu können.

Ihm schloss sich Herbert Krüger an, der seine Arbeiten zu der Route Abt Alberts von Stade in den Jahren 1954, 1956 und 1958 in den Stader Jahrbüchern veröffentlichte. Krüger war Spezialist für Itinerare. Zu seiner Methodik gehörte es, bekannte Routenitinerare tabellarisch gegenüber zu stellen, zu vergleichen und  damit ihre Nutzungsintensität zu ermitteln. In seiner dreiteiligen Monografie hat er die Route des Abtes Albert  mit dieser Methodik hinsichtlich ihrer Altstraßenkompetenz überprüft und mit Ausnahme des Abschnittes zwischen Celle und Stade - als eine zu dieser Zeit „gebräuchliche“ nachgewiesen. Lediglich hinsichtlich des Streckenabschnitts von Celle nach Stade fand er - ebenso wie ich - keine schlüssige Erklärung, „da die Stader Route alle bekannten mittelalterlichen Linien diagonal quert“ (Krüger).

Und so scheint sich zu bestätigen was ich ja schon länger von den bekannten Indizien her vermutete: Die wahrscheinlichste Erklärung für den Weg Alberts von Braunschweig über Celle nach Stade ist ähnlich der des Hinweges durch Frankreich, wo er mit großer Sicherheit das Mutterkloster der Zisterzienser in Cisterne aufgesucht hat. Auf dem Rückweg war es dann sein mutmaßlicher Besuch im Kloster Wienhausen bei Celle.

  • Das Kloster Wienhausen bei Celle wurde um 1225 gegründet und schon 1244 beantragte Herzog Otto das Kind die Inkorporation des Klosters in den Zisterzienserorden.

Was also liegt näher als dass Albert auf seiner Rückreise - aus welchen Gründen auch immer – Kloster Wienhausen aufsuchte. Dies möglicherweise aus den gleichen Gründen wie bei seinem Besuch im Mutterkloster der Zisterzienser in Cisterne (Burgund), den er in seiner Chronik verschwieg. (siehe hierzu: "Der Rompilgerweg des Abtes Albert von Stade" auf dieser Website).

Die Gründe dürfen darin zu suchen sein, dass Albert, der bei seiner damaligen vorübergehenden Annäherung  an den Zisterzienserorden noch dem Benediktinerorden angehörte, dies nach seinem Scheitern jedoch nicht für die Nachwelt publizieren wollte, zumal er sich bei der Abfassung seiner Annalen in einem Franziskanerkloster befand.

Er gab sich auch keine weitere Mühe mehr, den Abschnitt von 16 Meilen = ca. 120 Kilometer bis Stade näher zu beschreiben. Bis dahin waren seine Streckenabschnitte ca. 1 - 5  Meilen lang.

Wienhausen_um_1400.jpg

Das Rompilgerwegzeichen stammt aus dem Kloster Wienhausen (um 1400)