Altstraßenforschung- ein Zweig der Heimatforschung

Was wir wissen - was wissen wir?

Ein Geschichtswissenschaftler schrieb neulich sinngemäß, dass es bei der Altstraßenforschung so sei: Je mehr man herausfinde, um so mehr Fragen würden sich stellen.

Tatsächlich ist es so, dass die alten Handelsstraßen, die meist aus fiskalischen Gründen in den alten Akten genannt sind, in ihrem Verlauf von A nach B, vielleicht noch auf dem Weg über C, nachzuvollziehen sind. Ihr genauer Verlauf im Gelände hingegen ist selten bekannt. Die Ortschroniken geben nur dann etwas über alte Straßen her, wenn es einen Grund dafür gab. Und der lag meistens nicht in der Wegeführung.

So findet sich z. B. in der Ostheimer Chronik aus dem 19. Jahrhundert kein Hinweis auf den Bau oder gar die Fertigstellung der wichtigen Chaussee durch das Streutal.  Und schon gar nicht darauf, wie sie genau verlief und wie sich sich von dem vorherigen Verkehrsweg unterschied. Über die Straße von Ostheim nach Neustadt erfahren wir nur etwas, weil der Bau der Brücke über die Streu mit allen ihren Kosten dokumentiert wurde. Und über ihren Verlauf wissen wir nur etwas aus einer alten Ansicht des Ortes.

Doch Spuren der alten Straßen im Gelände - Hohlwege und Rinnen - sind der untrügliche Beweis dafür, dass dort einst ein Verkehrsweg verlief. Aber welcher? Ist es vielleicht nur, wie am Osthang der Hochrhön häufig, der Weg zu den Heufeldern auf der Langen Rhön? Oder verlief dort eine überregionale oder regionale Straße?

Die Beschreibung des Amtes Lichtenberg (Ostheim) aus dem 17. Jahrhundert erwähnt die - wichtige - Straßenverbindung von Meiningen nach Frankfurt am Main, die durch das Gebiet verlief:

Item Eine andere Landstraß gehet von Meinungen herauß nach Franckfurt, berüret dieses Ambts erstlich Hellmerschhausen, von dar ferners vber die hohestraß nach Suntheimb sich erstreckend, oder beÿ guten Wegen von Meinungen gleich auf Ostheim weiter, von dar weitter ins Würtzburg. territorium.

Da muss man schon viel Phantasie haben und sich vor allem gut auskennen, um den Verlauf dieser Straße im Ostheimer Territotium zu bestimmen, zumal zwichen Meiningen und "Hellmerschhausen"  mindestens  vier Orte liegen.

Warum schreibe ich dies?

Wenn ich nach langen Geländebegehungen und dem Heranziehen von Unterlagen zu dem Schluss komme, dass ich nun die Ergebnisse meiner Forschungen veröffentlichen kann, kann es passieren, dass ich einige Zeit später Informationen bekomme, dass dies so möglicherweise nicht  zutreffend ist. So geht es mir - nicht häufig - so ging es schon Legionen von Altstraßenforschern vorher, deren Ergebnisse "heute als überholt"  gelten.  Vielleicht ein Grund dafür, dass sich die Historiker nur ungern des Themas angenommen haben und die sogenannte Feldforschung meist den Heimatforschern überlassen haben.  Ergo ist es manchmal besser, mit einer Veröffentlichung zu warten: An der Beschreibung der alten Verkehrswege über die Hohe Rhön und im LK Rhön-Grabfeld  arbeite ich nun schon 10 Jahre.

Doch zum Glück ist es auch manchmal so, dass man nach der Veröffentlichung Materialien bekommt, die eine Hypthese nachträglich bestätigen. 

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Alte Straßen tragen - wenn überhaupt – unterschiedliche Namen. Meist sind die Namen auch nur noch auf kurzen Abschnitten überliefert, wohl dort, wo sie aus Flurnamen hergeleitet werden können.

Der Begriff der historischen Weinstraße wird meist von „Wagenstraße“ abgeleitet. Wohl zu Recht, werden Fuhrwerke doch im Mittelalter als "Waine" oder "Wayne" bezeichnet.

Ein Beleg hierfür stammt aus der Erfurter Geleitsordnung:

„Item von eyme karren XV den. Item von eyme wayne mit korne, l sol. Item von deme karne VI den. Item von deme pferde das da geet vor deme gesalczen fische eyn lot" (Quelle; Erfurter Geleits- und Zollregister (um 1315) von Luise Gerbing, Auszug).

Aus Grimms Wörterbuch zum Begriff : WAGEN [Lfg. 27,2], m. currus. das wort ist gemeingermanisch: mhd. wagen (md. auch zusammengezogen wain, wān, die erste form noch im 15. jahrh. bei ROTHE und STOLLE), ahd. wagan, plaustrum, carpentum, vehiculum, carra, carrum

Im Englischen: A wain is a type of horse-drawn, load-carrying vehicle, used for agricultural purposes rather than transporting people, for example a haywain. It normally has four wheels but the term has now acquired slightly poetical connotations so is not always used with technical correctness. However, a two-wheeled 'haywain' would be a hay cart, as opposed to a carriage. "Wain" is also an archaic term for chariot.

K.Th.Ch.Müller behandelt in seinem Werk "Alte Straßen und Wege in Oberhessen" 1.Teil "Das Gebiet zwischen Kinzig und Nidder" Darmstadt 1828, Kapitel "Die Weinstraßen" den Verlauf der Vogelsberger Weinstraße von Steinau an der Straße bis Herbstein im Vogelsberg. Zum Namen "Weinstraße führt er in den Anmerkungen folgendes aus:

Für die Erklärung von F.Küch (Quellen zur Rechtsgeschichte der hessischen Städte, Band I. Marburg Seite 14), dass "Weinstraße" nichts mit Wein zu tun habe sondern "Wagenstraße" sei, spricht ein Beleg bei Crecelius (Oberhessisches Wörterbuch Seite 888) und sprechen zahlreiche Belege bei Simon a.a.O. III R 21 58 211 223, sowie solche bei Baur, Hessische urkunden 1 325 und 2 654, wo "Wain, Wayn, wein" statt "wagen" und "weyner" statt "Wagner" und "Wagenführer" stehen.

Auch im Arnsberger Urkundenbuch liefert die "Wagengasse" zu Münzenberg und der Name "Wagengässer" = "Weingässer" Beiträge zu Küchs Erklärung. Daß "Wein" fränkische Kontraktion aus "Wagen" ist, hat Mone in seiner Geschichte OberhessenBd 17 S 395 bereits 1865 nachgewiesen.

Müller blieb aber trotz allem skeptisch und führte ein Beispiel aus dem Jahre 1238 an, wo in einer Urkunde die Verpflichtung zum Transport von Wein (winfuhre) aller fuldischen Kaufleute in der Wetterau die Rede ist: "die da pflegen win zu führen den herrn, haben ein gemein recht, daß alle Wege ein hube ein rat zu führen den herrn sol von dem Meine biß uf die hoe des berges, genannt der Fogelsberg"

Ferner schloss er aus dem Vorhandensein von drei wohl paralell verlaufenden Straßen, von denen die mittlwer "Weinstraße" geannt wurde, dass auf diese rnur Weintransportiert wurde ((a platea, que est super Apinichrod, per viam que dicitur Winstrasse... ad platea, que est super langinberch - also zwischen zwei offenbar breiten, für Wagenverkerh geeigneten Straßen - plateae - eine Weinstraße, die selbstverständlich ebenfalls befahrbar war (Zitat Müller).

Natürlich gehörte der Weinhandel auch im Mittelalter und in der Neuzeit zum üblichen Handel. Auf fast allen Handelswegen war der Transport von Wein bezeugt und es wurden an den Zoll- und Geleitstellen entsprechende Abgaben fällig.

Also war eine historische Weinstraße wohl wirklich eine Wagenstraße, eine Straße auf der Fuhrwerke fahren konnten. Die Frage ist, wie sich die Benennung einer Straße bei allen unterschiedlichen Dialekten im deutschen Sprachraum so einheitlich ausprägen konnte. Oder gibt es die historische Bezeichnung „Weinstraße“ gar nicht im gesamten Sprachraum?

Um das festzustellen, würde ich gerne meine Internetseite nutzen und folgernde Fragen zur Diskussion stellen:
1. Wo gibt es eine historische Weinstraße?
2. Wenn bekannt: Auf welcher Länge ist sie historisch oder durch Flurnamen belegt?
3. Ist sie Teil eines längeren Straßenzuges, einer Handels- oder Heerstraße?
4. Wenn bekannt: Wann wurde sie erstmals urkundlich erwähnt?
5. Ggf. eigene Überlegungen zum Thema " Weinstraße"