Das Stader Itinerar

Das Scheitern des Planes zur Umwandlung des Klosters

Alberts Ausflug nach Rom war erfolglos: Er erhielt vom Papst zwar das erhoffte Dokument, doch nur mit bestimmten Auflagen. Doch auch die politische Lage in Stade hatte sich geändert: Der Erzbischof ging ein Bündnis mit den Welfen ein und hatte kein Interesse mehr an der Umwandlung des Marienklosters. 

Abt Albert betrieb den Plan noch eine Weile weiter, bis 1240 sein Reformversuch endgültig an dem Widerstand seiner Klosterbrüder scheiterte und er sein Amt als Benediktinerabt niederlegte. Er trat er dem Kloster St. Johannis der Franziskaner bei, einem Minoritenorden, das gerade erst gegründet worden war, vielleicht sogar von Albert selbst.

Dieses Scheitern dürfte die größte Niederlage in Alberts Leben gewesen sein.

In diesem Scheitern ist auch der Grund zu sehen, warum er die Abbaye de Citeaux in der Beschreibung des Weges nach Rom als Etappenort nicht erwähnt hat. Dass er dort war, ist wiederum aus seiner Reisebeschreibung, genau genommen seinen Entfernungsangaben zu entnehmen: Denn Alberts Angaben der Entfernungen zwischen Chanceaux und Beaune sind ungewöhnlich ungenau:

... nach 5 Meilen Chanceaux. Nahe diesem Ort entspringt die Seine. Es folgt Fleurey und nach 6 M Beaune.

Es fehlt also die Entfernungsangabe von Chanceaux nach Fleurey. Krüger ist das möglicherweise  nicht aufgefallen, denn er schreibt: „ für das Straßenstück zwischen Chanceaux und Beaune  werden sowohl im Stader als auch im Brügger Itinerar übereinstimmend 12 Leugen = 54 Kilometer angegeben“.

Er nimmt also für die Entfernung zwischen Chanceaux nach Beaune  6 (französische) Meilen an, was etwa 54 km entspricht. Diese Entfernung wurde jedoch von  Albert nur für die Strecke zwischen Fleurey und Beaune angegeben. Er selbst errechnete für die Strecke zwischen Chanceaux nach Beaune  67 km. Die Differenz der beiden Angaben entspricht –19,4 % und gehört damit zu den höchsten Abweichung auf allen seinen Streckenabschnitten.

Wegen der sonstigen Genauigkeit der anderen Angaben Alberts lässt das Fehlen einer Entfernungsangabe zwischen 2 Etappen gerade an diesem wichtigen Ort darauf schließen, dass er von Fleurey nach Citeaux und von dort nach Beaune zog, also nicht den direkten Weg von Chanceauy über Fleurey nach Beaune nahm. Die Entfernung des direkten Weges hat er möglicherweise nur anhand seiner Unterlagen geschätzt.

Dies alles sind zwar keine wissenschaftlichen Beweise, doch legen meine Vermutungen den damaligen Ablauf bzw. die damaligen Gründe zwingend nah. Ein Beweis ließe sich nur finden, wenn es in den Büchern der Abtei einen entsprechenden Eintrag über einen Besuch des Abtes gäbe.