Das Stader Itinerar

1. Die Reise des Stader Abtes Albert von Stade durch Frankreich nach Rom

Den Grund, weswegen Abt Albert zunächst auf einem großen Umweg durch Frankreich reiste, hat er uns nicht verraten. Doch es muss mit der bevorstehenden Umwandlung seines Marienklosters in Stade im Zusammenhang stehen.

Uwe Ruprecht aus Stade schreibt am 11. Juli 2002 im HAMBURGER ABENDBLATT:

Seit 1144, als die männliche Linie der Stader Grafen ausgestorben war, rangen zwei Parteien um die Herrschaft über die einträglichen Besitztümer zwischen Elbe und Oste: einerseits der Braunschweiger Welfenfürst Heinrich der Löwe und seine Nachkommen, andererseits die Erzbischöfe von Bremen. Zu den Schachzügen von Erzbischof Gerhard II. gehörte der Versuch, St. Marien von einem Benediktiner- in ein Zisterzienserkloster umzuwandeln, wodurch es nach der geltenden Rechtslage unter seinen direkten Einfluss geraten wäre. Abt Albert hatte offenbar eigene, theologische Gründe, an diesem Plan mitzuwirken. Vielleicht deshalb, weil die Ordensregeln der Zisterzienser strenger waren als die der Benediktiner. Nur wollten seine Ordensbrüder nicht dabei mitmachen. Albert beschloss also, sich Unterstützung von höchster Stelle zu holen und machte sich auf den Weg zum Papst nach Rom.

Auch schon der renommierte Altstraßenforscher Herbert Krüger, der sich in den 50er Jahren intensiv mit Abt Alberts Routen befasst und zwei sehr umfangreiche Dokumentationen verfasst hatte,  war der Auffassung, dass der Grund der Reise Alberts in der bevorstehenden Umwandlung des Klosters zu sehen sei.

 Albert beginnt die Beschreibung seiner Reiseroute mit der fiktiven Unterhaltung der beiden Mönche Firri und Tirri:

Darauf sagte Firri: „Wohlan Tirri, ich will nach Rom reisen. Unterrichte mich über die Wegeverhältnisse“. Darauf Firri:  „Auf welchem Weg willst du dorthin reisen?“  Und jener: „Durch das Mauriana Tal ( in den Französischen Alpen); aber zuvor will ich von Stade aus nach Dänemark, um Pferde  zu besorgen. Ihm entgegnet Firri: „Ich will dir also die Stationen nennen und die dazwischen liegenden Meilen angeben.“ 

Also liegt es nahe anzunehmen, dass die Route etwas mit dem Mauriana-Tal zu tun haben könnte. Doch im Gegensatz zu anderen Orten, wo Albert auf Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten aufmerksam machte, erwähnt er in seiner Beschreibung dort nichts, was auf eine außerordentliche Besonderheit in diesem Tal hinweisen würde, die den großen Umweg lohnen würde. Zwar erwähnt er die „schwarzen Wasser“ von drei dort zusammenfleißenden Flüssen und deren „dunkle Schluchten“, doch scheint dies nicht der Grund für die  umwegige Anreise gewesen zu sein.

Sollte der Grund für den Umweg durch Frankreich im Zusammenhang mit den Zisterziensern zu suchen sein?