Auf den Spuren der alten würzburgischen Landwehr auf der Hochrhön

Verlauf der Mountainbike-Tour:

Stetten- Fladungen - Salkenberg - Oberer See - Sennhütte - Hauensteinstraße - Eisgraben - Hillenberg - Rother Kuppe - Thüringer Hütte - Schweinfurter Haus -Oberelsbach  ca. 40 km

Landwehren

Die Höhl und auch Häl genannte Landwehr auf der Hochrhön ist Teil einer Befestigung des  Würzburgischen Kirchenstaates, dem große Teile der Rhön bis zur Säkularisierung gehörten. Sie war keine Grenzbefestigung, denn insbesondere auf der Hochrhön verlief sie weit entfernt von der Ostgrenze des Würzburger Gebietes und ließ die Heufelder der ostrhöner Bauern außen vor.

Heute jedoch bildet sie streckenweise eine Grenze: Die des Naturschutzgebietes Lange Rhön. Dafür dass dies so ist, gibt es einen natürlichen Grund: Für die Abgrenzung des NSG orientierte man sich an der Grenze von Wald und Heuwiesen.  

Landwehren wurden hauptsächlich zwischen 1350 und 1550 angelegt:

"umb besseren fridens nutz und schirms willen unser lande, leut und herrschafft".

Die würzburgische Landwehr wurde erstmals 1481 erwähnt und bestand wohl bis in 19. Jahrhundet, denn erst im Jahre 1815 beschloss Bayern, den Höhlzwang aufzuheben. 

Sie waren also weniger dazu bestimmt, militärische Angriffe abzuwehren als vielmehr Schutz zu bieten vor Räubern, Viehdieben, Raubrittern und fahrenden Gesindel. Ein weiterer Zweck war es, den Warenverkehr auf bestimmte Durchlässe zu konzentrieren, damit dem Kurfürsten keine Zolleinnahmen entgehen. 

Der ursprüngliche Zweck passte sich im Laufe der Jahrhunderte den veränderten Verhältnissen an: So wurden strategisch günstig gelegene Teile der Landwehr im dreißigjährigen Krieg von den "Schweden" zum Schanzenbau genutzt. Die heute Schwedenschanzen oder Schwedenwälle genannten ehemaligen Schanzen liegen meist direkt im Verlauf der Landwehr.

Der Schlag an der heutigen Thüringer Hütte diente angeblich noch im 19. Jahrhundert dazu, die Bauern von der vorzeitigen Heuernte abzuhalten. Demnach durfte man bei Strafandrohung vor Kiliani nicht die Hochrhön betreten.

Im Bereich der Hochrhön ist die Landwehr noch an mehreren Stellen erhalten. Sie bestand aus unterschiedlichen Segmenten. Meist aus einem Wall, der auf beiden Seiten einen bis zu 6 Metern breiten und bis 4 Metern tiefen Graben hatte und der mit Bäumen und Gebüsch dicht bewachsen war. An den Hängen und Steillagen, wo ein Wall durch Erosion keinen Bestand habe würde, wohl nur aus einer undurchdringlichen ca. sechs Gerten breiten Hecke. Dies erklärt auch, warum der an manchen Stellen noch sichtbare Wall dort, wo es abschüssig wird, nicht vorhanden ist.

Im Volksmund wurde die Landwehr wegen des dichten Gebüschs auch "Gebück" genannt. Insbesondere die stacheligen Büsche erschwerten ein unbefugtes Durchdringen der Landwehr. Die Gemeinden, durch deren Gemarkung die Höhl lief, hatten die Aufgabe, diese Strecke instand zu halten. Diese "lebende Mauer" wurde von den Hälknechten oder auch von Landwehrreitern und beauftragten Bauern (in Fronarbeit) jährlich an den Seiten verbickt, d. h.  dichter gemacht, indem man Äste und Zweige anbrach, sodass frische Triebe entstanden. Eine andere Quelle sagt, dass man junge Stämme in bestimmter Höhe gekappt oder umgebogen und die Zweige dicht verflochten hat.

Gut erkennbare Abschnitte der Höhl

  • Am Pass zwischen Feldatal und Streutal, ca. 50 m östlich der B 285 in der Nähe des Stellberges (oberhalb von Melpers ), ca. 300 m lang
  • Auf dem Salkenberg (Schwedenschanze)
  • Zwischen dem Wirtschaftsweg von Rüdenschwinden zur Hochrhön und der Wüstung Hauenstein
  • Südlich der Eisgrabenstraße oberhalb von Hillenberg
  • Oberhalb des Parkplatz Steinkopf
  • Bei der Thüringer Hütte
  • Von der Ginolfser Hut bis zur Hochrhönstraße in der Nähe des Holzberghofes (Auf der Landwehr)
  • Höhl am Stellberg

Die Anzahl der Durchgänge durch die Landwehr im Bereich der Hochrhön ist nicht genau belegt. Man spricht von vier durch den "Höhlmann" bewachte und mit Schlagbäumen versehene Durchlässen. Die Bezeichnung "Schlag" kommt von den Schlagbäumen. Doch bei so wenigen Durchgängen wäre den Bauern der direkte Zugang zu ihren Heuwiesen auf der Hochrhön versagt gewesen. Deswegen erscheint es wahrscheinlich, dass es noch weitere, speziell nur für landwirtschaftliche Zwecke und nur zu bestimmten Zeiten zu öffnende Schläge gegeben hat, die wegen der mangelnden fiskalischen Bedeutung (Steuern, Zoll) auch keine urkundliche Erwähnung fanden. Die bekannten Schläge (von Norden):

  • Ein Schlag befand sich am Stellberg oberhalb von Melpers an der Hohen Straße, die von Ostheim über die Höhen nördlich des Streutals in das thüringische Feldatal führte.  
  • Ein weiterer, der sogenannte "Oberweider Schlag"  auf dem Salkenberg oberhalb von Oberfladungen. Er lag an der Straße, die aus dem würzburgischen Fladungen in das Amt Auersberg (Hilders) führte.  
  • Die Leubacher Bürger erwirkten einen 1581 den Bau eines Schlages in ihrem Gebiet, und mussten sich verpflichten, dort keine fremden Reiter und keine Fuhrleute und Krämer passieren zu lassen. 
  • Bei der Wüstung Pfeust bei Fladungen soll ein "Viehtrieb" bestanden haben.
  • Die Wüstung Hauenstein oberhalb von Hausen in der Nähe des heutigen Rhönhofes lag direkt an der Landwehr und muss deshalb einen Durchgang zu ihren Heufeldern auf der sich direkt  anschließenden Hochrhön gehabt haben.
  • In der Nähe der Hildenburg befand sich an der bedeutenden rhönüberquerenden Straße aus dem Ulstertal über Stetten ins Streutal bzw. nach Südosten (Neustädter Becken) und Süden ein Schlag. 
  • Der bekannteste Schlag mit gut erhaltenen Resten der Landwehr befindet sich an der Thüringer Hütte. Hier ist auch erkennbar, dass die Einrichtung der Höhl zu einer Verlegung (Bündelung) vorher bestandener Wege geführt hat. Im Volksmund hieß die Hütte des Wächters "Schlaghäuschen." An dieser Stelle, die zur Gemarkung Urspringen gehört, reichte das zu Sachsen Weimar gehörende Amt Ostheim  bis an die Hochrhön.
  • Der nächste urkundlich belegte Schlag befindet sich erst wieder am Schwedenwall zwischen Gersfeld und Bischofsheim.

Doch ist kaum anzunehmen, dass sich an den alten Rhönwegen von Oberelsbach und von Ginolfs keine Schläge befanden, zumal alte Straßen von der Wasserkuppe über den Ottilienstein und die Flanke des Heidelsteins in das Land östlich der Hochrhön führten. 

Quellen:

Ingo Feiherr von Berchem, Ostheim,

"Landwehren im und um das ehemalig hennebergische Gebiet" Sonderdruck des Jahrbuches 1999 des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins.

Jochen Heinke, Stetten:

Kataster der Altstraßen und Rhönübergänge in der fränkischen Vorderrhön (unveröffentlicht)